Politik Cafe

Ankündigung für POLITIK-CAFÉ Nr. 2

Vortragstermine siehe Veranstaltungen

 

Politik – Die Kunst des Menschlichen

 

„Politik ist die Kunst des Möglichen“ sagte einst Otto Fürst von Bismarck. Misst man die Politik des preußischen Staatsmannes an seinen Taten, dann waren die Kriege, die man 1866 gegen Österreich (Verluste ca.100 000) und 1870/71 gegen Frankreich (Verluste ca. 380 000) geführt hat, ein Teil der Kunst, die es möglich gemacht hat, dass die Deutschen in einem Reich geeinigt werden konnten. Wären die Deutschen auch ohne Krieg geeint worden? – Ich denke ja. – Willi Brandt hat es 100 Jahre später vorgemacht. Seine Neue Ostpolitik war nicht an der Beliebigkeit des Möglichen orientiert, sondern am Menschlichen.

Auf dem Weg von einer Politik als Kunst des Möglichen zu einer Kunst des Menschlichen, vom Reichskanzler Otto von Bismarck bis zum Bundeskanzler Willi Brandt, haben Millionen von Menschen in Kriegen ihr Leben gelassen. Trotzdem gilt bis heute Krieg immer noch als ein Mittel der Politik, wie der Syrienkrieg zeigt. Das ist nach Ansicht von Ulrich Scholz eine menschliche, kulturelle und intellektuelle Katastrophe. Aufgeklärte Menschen sind schon längst überzeugt davon, dass gewaltsame Konfliktlösung keine historische Notwendigkeit ist. Der erste Vortrag soll das Argument führen, dass die Ursachen vielmehr in der menschlichen Inkompetenz von verantwortlichen Führungspersonen liegen. In der Wirtschaft kann man ein ähnliches Phänomen beobachten. Pleiten, Pannen und Katastrophen sind häufig nicht höherer Gewalt zuzuschreiben (der Markt, die Globalisierung, die Umwelt u.a.), sondern wurden von menschlich unfähigen Führungsmenschen verursacht. Das dem so ist, erkennt man an den Ausnahmen.

Es gab in der Geschichte immer wieder außergewöhnliche Führungspersonen, die eines gemeinsam hatten:  Menschliche Kompetenz. – Ein solcher Politiker war der ehem. Ministerpräsident Frankreichs, Charles de Gaulle.  Auf der Höhe des französischen Algerienkrieges bot er den Aufständischen (Terroristen würden wir heute sagen) den „Paix des Braves“ an, den Frieden der Mutigen. Der zweite Vortrag wird sich mit Charles de Gaulle und seinem „Paix des Braves“ beschäftigen. Er soll als Diskussionsgrundlage dienen, um westliche Politik im Syrienkonflikt kritisch zu beleuchten und um vielleicht zu anderen – eben menschlichen – Lösungsmöglichkeiten zu kommen.

Wie wir im ersten Vortrag gehört haben, scheint menschliche Inkompetenz in Führungsgremien aller Bereiche unserer Gesellschaft ein latentes Problem zu sein. Das lässt auf eine singuläre Ursache schließen. Im dritten Vortrag möchte Herr Scholz Sie mit seiner Version bekannt machen. Er findet sie an dem Ort, an dem wir für das Leben lernen sollen, wie es so schön heißt. In der Schule. Sie ist ein Fraktal unseres Wirtschaftssystems. Das heißt, Kindern wird das Funktionieren beigebracht, anstatt sie in der Kunst des Menschlichen zu unterweisen. An Beispielen aus dem Schulalltag als Vertretungslehrer wird Herr Scholz seine erschreckende Bewertung begründen, um mit Ihnen über eine Schule zu diskutieren, wie sie im Sinne unseres großen Themas sein sollte.

 

 

 

POLITIK-CAFÉ am 11. Juni 2017

Das Verdun-Syndrom – Wenn die Strategie Menschen frisst …

POLITIK-CAFÉ am 07. Mai 2017

Interessenmonster – Demokratie, Menschenrechte und andere Scheinheiligkeiten

POLITIK-CAFÉ am 05. März 2017

Thema: Krieg – Eine Pathologie des Westens

 

 

 

 

Literatur-Verzeichnis

Englischsprachig

  1. Michael Scheurer: Imperial Hubris – Why the West is losing the War on Terror. Washington 2004.
  2. Margaret McMillan. Paris 1919 – Six Months that Changed the World. New York 2001.
  3. Peter Paret: Makers of Modern Strategy – From Machiavelli to the Nuclear Age. Princeton 1986.
  4. Carl von Clausewitz edited and translated by Michael Howard and Peter Paret: On War. Princeton 1976.
  5. Paul Kennedy: The Rise and Fall of Great Powers. New York 1987.
  6. Sudhir Kakar: The Colors of Violence – Cultural Identities, Religion, and Conflict. Chicago 1996.
  7. Alistair Horne: A Savage War of Peace – Algeria 1954-1962. New York 1977
  8. Stephen Kinzer: All the Shah´s Men – An American Coup and the Roots of Middle East Terror. Hoboken 2003.
  9. Thomas P.M. Barnett: The Pentagon´s Map of the Twenty-First Century. New York 2004
  10. Norman Dixon: On the Psychology of Military Incompetence. London 1976.
  11. Edward A. Smith: Effects Based Operations – Applying Network Centric Warfare in Peace, Crisis, And War. Washington 2002.
  12. Robert Kagan: Of Paradise and Power – America and Europe in the New World Order. New York 2003.
  13. Samuel P. Huntington: The Clash of Civilizations – Remaking of World Order. New York 1997.

 

Deutschsprachig

  1. Claude AnShin Thomas: Am Tor zur Hölle – der Weg eines Soldaten zum Zen-Mönch. Bielefeld 2003.
  2. Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht – Amerikas Strategie der Vorherrschaft.
  3. Humberto R. Maturana, Francisco J. Varela: Der Baum der Erkenntnis – Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. Frankfurt 2009.
  4. Fritz B. Simon: Die Kunst, nicht zu lernen – Und andere Paradoxien in Psychotherapie, Management und Politik …
  5. Fritz B. Simon: Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus. Heidelberg 2009.
  6. Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld: Wie wir uns selbst erfinden – Eine Autobiographie des radikalen Konstruktivismus. Heidelberg 2010.