Eine dystopische Utopie*

 

 

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100 jährigen Bestehen der Afrikanischen Union (AU) am 26. Mai 2101 hielt der amtierende Vorsitzende der Kommission, der Präsident von Mali SEVALS NIAGA, eine Ansprache, die in allen großen Zeitungen der Welt veröffentlicht wurde. Er sagte:

„Afrika feiert heute zum ein-hundertsten Mal den Tag, an dem sich der Kontinent entschlossen hatte, sich auf den Weg zu machen. Unsere ehemaligen Herren aus Europa und Amerika waren uns dabei Vorbilder und Wegbereiter. Als wir nach vielen Jahren Sklaverei und kolonialer Ausbeutung in die Unabhängigkeit entlassen wurden, zeigte sich, dass einen souveränen Staat zu besitzen allein nicht ausreicht, um verantwortlich zu regieren. Zu Hundertausenden sind unsere Kinder verhungert oder Seuchen wie AIDS zum Opfer gefallen. Aus Überheblichkeit, Rachsucht, Neid und Habgier haben Afrikaner ihre Nachbarn mit Krieg überzogen und millionenfach umgebracht. Afrikanische Regierungen waren unfähig, für das Wohl und die Sicherheit ihrer Menschen zu sorgen. All das hat sich erst zum Besseren gewendet, als unsere ehemaligen Herren und späteren Schöpfer der Globalisierung, allen voran die USA, sich endlich Afrika zugewandt haben.

Das Ergebnis ihrer Fürsorge ist ein prosperierender Kontinent. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner ist von unter 2000$ vor 100 Jahren auf über 20 000$ angewachsen. Die Prognosen der Steigerungsrate für die nächsten Jahre sind zweistellig. Ausländische Investoren haben in wenigen Jahren dafür gesorgt, dass entlang der Küsten und zu den großen Städten im Binnenland Straßen- und Schienennetze gebaut wurden. Alle großen Auto-Hersteller aus den USA, Europa und Asien haben Werke in Afrika errichtet, deren Kapazität die der Heimatproduktionsstätten um ein Mehrfaches übersteigt. Mit Hilfe ausländischer Konzerne wurden Erdöl und Erdgasfelder von ungeahnten Ausmaßen erschlossen und werden heute gewinnbringend für alle ausgebeutet. Die Förderung von Gold und Diamanten aus afrikanischen Minen beherrscht seit Jahren den Weltmarkt. Afrika ist der größte Markt der Globalisierung geworden. Diesen Aufstieg verdanken wir den Vereinigten Staaten von Amerika, denn sie haben erst die Voraussetzungen geschaffen.

Entscheidend für die afrikanische Erfolgsgeschichte war die Schaffung von Stabilität durch Sicherheit, ohne deren Vorhandensein sich kein ausländischer Investor nach Afrika getraut hätte. Einem Land Stabilität und Sicherheit durch militärische Besetzung zu bringen funktionierte nicht. Das hatten die Erfahrungen mit dem Irak nach dem Einmarsch im März 2003 gezeigt. Zum Glück für Afrika hatten sich die USA eine neue Strategie ausgedacht. In der Erkenntnis, dass nur die einheimische Bevölkerung nachhaltig Veränderung bewirken kann, hat man in politisch instabilen Ländern die von der Mehrheit getragenen fortschrittlichen Oppositionskräfte zum Aufstand motiviert und materiell unterstützt. Entscheidend für deren Sieg war jedoch der von den USA konsequent geführte Drohnenkrieg gegen die Kämpfer der Uneinsichtigen. Ihnen und all den anderen Opfern gilt mein letztes Wort.

Die Uneinsichtigen waren keine Terroristen, sondern junge Menschen, die sich gegen die Globalisierung gewehrt haben. Sie hat ihnen Angst gemacht. Da sie militärisch nichts aufzubieten hatten, haben sie sich mit den Möglichkeiten zur Wehr gesetzt, die ihnen zur Verfügung standen. Wir verdanken ihnen sehr viel. Ihr radikaler Widerstand hat erst dazu geführt, dass die Aufmerksamkeit der USA auf Afrika gelenkt wurde, ohne die der Weg in die Globalisierung nicht möglich gewesen wäre.

Die eigentlichen Helden aber sind die vielen toten und verletzten Kinder, die sich zufällig in der Nähe aufhielten, wenn die Geschosse eines Drohnenangriffs einschlugen. Ihr Opfer war alternativ-los, wie der Drohnenkrieg, ohne den es keine Sicherheit und Stabilisierung in Afrika gegeben hätte. Sie haben den höchsten Preis bezahlt und sind die eigentlichen Helden der Globalisierung Afrikas. Wir werden sie nie vergessen.“

 

* Eine schreckliche Wunschvorstellung

 

 

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