„I have a dream“
 An English version of this text see below

 

Krieg ist kein Management Projekt zur Gewinnmaximierung. Soldaten sind keine Ressource, die aufs Töten bzw. nicht getötet werden zu optimieren gilt. Der Wille zum Krieg ist auch keine Angelegenheit einer PR Kampagne. –

Diese drei Sätze provozieren natürlich, implizieren sie doch, dass das Gegenteil wahr ist. Ich überlasse es Ihnen, die Kriege des Westens nach Ende des Kalten Krieges unter diesen drei Prämissen zu bewerten. Meine militärische Sozialisation (Bildung, Erfahrung und eigenes Denken) lassen keinen anderen Schluss zu. Bei uns im Westen gilt: Krieg ist ein Management Projekt. Soldaten sind eine Ressource. Die Menschen wollen eigentlich keinen Krieg.

Als meinen Sekundanten möchte ich einen US amerikanischen Kriegswissenschaftler zitieren. Dr. Edward A. Smith hat in seinem Buch „Effects Based Operations“ (US-amerikanische) Kriege untersucht und seine Lehren in einer mathematischen Formel zusammengefasst. Erfolg im Krieg ist das Produkt aus Kriegsmittel (Rüstung und Soldaten) und dem Willen, diese einsetzen. Der Wille geht zum Quadrat in diese Gleichung ein.

Erfolg = Mittel x Wille ²

Ich erspare mir an dieser Stelle eine Reflexion darüber, was militärischer Erfolg ist und wie Streitkräfte aufgestellt und ausgerüstet sein müssen, um „erfolgreich“ zu sein. Vor dem Hintergrund verschwommener politischer Ziele sind Aussagen darüber letztendlich immer nur ein Glaubensbekenntnis. Zustand, Einsatz und Erfolg der Bundeswehr in den letzten 25 Jahren sind meine Zeugen. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf den Faktor „Wille“ lenken.

In Bezug auf Krieg bedeutet er doch nichts anderes, als dass man bereit ist zu akzeptieren, dass die eigenen Soldaten töten bzw. getötet werden können. Im Bestreben, die Öffentlichkeit für Kriege zu gewinnen (aus welchen Gründen auch immer), verschleiern Politiker und Medien diese erschreckende Wahrheit. Stattdessen erfindet man „Bedrohungen“ und bemüht Geisteswissenschaftler und Juristen, um durch das Herstellen von Legitimität und Legalität „Willen“ zum Krieg zu erzeugen. Das kann doch kein fühlender intelligenter Mensch wollen! – Was ist die Lösung? – In einer kleinen Geschichte über einen jungen Soldaten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg habe ich sie gefunden. Auf der Seite 5 können Sie sie nachlesen. Hier ist meine Übersetzung aus dem Englischen:

Am nächsten Morgen war er in die Stadt gelaufen, die sich in der Nähe der Farm seiner Mutter befand und hatte sich bei einer Kompanie einschreiben lassen, die gerade aufgestellt wurde. Als er zurück nach Hause kam, molk seine Mutter gerade die bunt gescheckte Kuh. Vier weitere standen abseits und warteten. „Ma, ich habe mich einschreiben lassen“, hatte er schüchtern gesagt. Für einen Moment war Stille. „Der Wille des Herren wird geschehen, Henry“, hatte sie geantwortet und dann fuhr sie fort, die bunt gescheckte zu melken.

 Als er im Hausflur stand mit seinen Soldatensachen auf dem Rücken und das Leuchten der Aufregung und Erwartung in den Augen das Bedauern um das Loslassen des  Zuhauses fast verdrängt hatte, wurden ihm zwei Tränen gewahr, die ihre Spur auf dem verhärmten Gesicht seiner Mutter hinterlassen hatten.

Dennoch, er fühlte sich von ihr enttäuscht, hatte sie mit keinem Wort etwas über eine ruhmreiche Rückkehr mit seinem Schild oder auf seinem Schild gesagt. Er hatte sich im Stillen auf eine wunderschöne Szene vorbereitet und sich passende Sätze überlegt, die er der Rührung wegen gesagt hätte. Aber ihre Worte zerstörten seine Absicht. Sie hatte beharrlich weiter Kartoffeln geschält und ihm dann Folgendes gesagt: „Sei vorsichtig, Henry und pass gut auf Dich auf. Glaube bloß nicht, Du könntest die gesamte Rebellenarmee mal eben so besiegen. Das kannst Du nicht. Du bist einfach nur ein kleiner Bursche unter vielen anderen. Halte einfach Deinen Mund und tue, was man Dir sagt. Ich weiß, wie bist, Henry.

Ich habe Dir acht Paar Socken gestrickt, Henry und Dir Deine besten Hemden eingepackt. Ich möchte, dass Du warm und bequem angezogen bist, wie jeder andere in der Armee auch. Wann immer sie Löcher bekommen, möchte ich, dass Du sie mir schickst, damit ich sie flicken kann. 

Und sei vorsichtig bei der Wahl Deiner Freunde. Es gibt viel schlechte Männer in der Armee, Henry. Die Armee macht sie wild, und sie machen sich einen Spaß draus, junge Burschen wie Dich zu verführen, die eine Mutter gehabt haben, die ihnen nicht beigebracht hat zu trinken und zu fluchen. Halt Dich von solchen fern, Henry. Ich möchte, dass Du nie etwas tust, Henry, wofür Du Dich schämen würdest, wenn ich es wüsste. Denk immer so, als wenn ich bei Dir wäre. Wenn Du das beherzigst, wirst Du keinen Schaden nehmen.

Und denke immer auch an Deinen Vater, Junge, er hat nie in seinem Leben einen Tropfen Alkohol getrunken und hat selten einen falschen Eid geschworen.

Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll, Henry, außer, dass Du, mein Kind, nie wegen mir ein Drückeberger sein darfst. Und sollte es einmal so sein, dass Du getötet wirst oder etwas Böses tust, Henry, denke nichts anderes, als das was Rechtens ist, denn viele Frauen müssen heute so etwas ertragen, und der Herr wird uns alle schützen.

Vergiss nicht, was ich Dir wegen der Socken und Hemden gesagt habe, Kind; und ich habe Dir noch ein Glas Blaubeermarmelade in Deinen Rucksack getan. Ich weiß, dass Du sie am liebsten magst. Auf Wiedersehen, Henry. Pass auf Dich auf und sei ein guter Junge.

Unter der Qual dieser Rede war er natürlich ungeduldig geworden. Sie war nicht so, wie er sie erwartete hatte, und er hatte sie mit einem Hauch von Unsicherheit über sich ergehen lassen. Er machte sich auf den Weg mit einem vagen Gefühl der Erleichterung. Als er sich an der Pforte umdrehte und nochmal zurückschaute, hatte er seine Mutter zwischen den Kartoffelschalen knien sehen. Ihr braunes Gesicht, was aufschaute, war Tränen übersät und sie zitterte am ganzen Körper. Er senkte den Kopf und lief weiter, plötzlich voller Scham über seine Beweggründe. –  (Stephen Crane, The Red Badge of Courage)

 

Wenn man den Müttern dieser Welt die Kontrolle über obige Gleichung geben würde, der Faktor „Wille“ wäre gleich Null. I have a dream.

 

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popplies

When the will to wage war goes to Zero

 “I have a dream”

 

War is not a management project to maximize wins. Soldiers are not a resource, which needs to be optimized in killing and surviving. The will to wage war is not a matter of a PR-Campaign. – These three sentences are provocative, of course. Do they imply that the opposite is true. I leave it up to you to judge the wars waged by the West after the Cold War against these premises. My military socialisation (education, experience, own reasoning) leaves no doubt in my mind. Western wars are like management projects. Soldiers are a resource. And people do not want war. As my second I would like to quote an American war scholar. In his book “Effects Based Operations” Dr. Edward A. Smith has examined major US American wars. The essence of his findings he summarized into a mathematic formula. Success in war is the product of “means” (armed forces) and the “will” to use them. The “will” goes into the equation as square.

Success = Means x Will²

At this point I save myself from reflecting over what military success means and how armed forces should be composed and led to be successful. Against the background of the history of blurred political aims such statements are nothing more but a creed. The state of the German armed forces, their operations in the past 25 years, and their “successes” gives testimony. Instead, I would like to focus your attention on “will”.

In conjunction with war “will” means nothing else but to accept that own soldiers will kill people and risk to be killed. This terrible truth is widely ignored by politicians and the media. To get the “will” of the people to wage war “threats” are identified. They are necessary for scholars and lawyers to create legitimacy and legality when it comes to killing and getting killed. How can anybody who can think and feel want that?! – What is the solution? – Here is one. I found it in the first chapter of a small story about a young soldier during the American Civil War. Here is the key excerpt.

 

Nevertheless, the next morning he had gone to town that was near his mother´s farm and had enlisted in a company that was forming there. When he had returned home his mother was milking the brindle cow. Four others stood waiting. `Ma, I have enlisted`, he had said to her diffidently. There was a short silence. `The Lord´s win be done, Henry`, she had finally replied, and then had continued to milk the brindle cow.

When he had stood in the doorway with his soldier´s clothes on his back, and with the light of excitement and expectancy in his eyes almost defeating the glow of regret for the home bonds, he had seen two tears leaving their trails on his mother´s scarred cheeks.

Still, she had disappointed him by saying nothing whatever about returning with his shield or on it. He had privately primed himself for a beautiful scene. He had prepared certain sentences which he thought could be used with touching effect. But her words destroyed his plans. She had doggedly peeled potatoes and addressed him as follows: `You watch out, Henry, an´take could care of yerself in this here fighting business – you watch out, an´take good care of yerself. Don´t go a-thinkin´you can lick the whole rebel army at the start, because ye can´t. Yer jest one little feller amongst a hull lot of others, and yeh´ve got to keep quiet an´do what they ten yeh. I know how you are, Henry.

`I´ve knet yeh eight pair of socks, Henry, and I`ve put in all yer best shirts, because I want my boy to be yest as warm and comfortable as anybody in the army. Whenever they get holes in ´em I want yeh to send ém right-away back to me, so´s I kin dern èm.

`An`allus be careful an´choose yer comp`ny. There´s lots of bad men in the army, Henry. The army makes èm wild, and they like nothing better than the job of leading off a young feller like you, as ain´t never been away from home much and allus had a mother, an´a-learning `em to drink and swear. Keep clear of them folks, Henry. I don´t want yeh to do ever anything, Henry, that yeh would be ´shamed to let me know about. Jest think as if I was a-watchin´ yeh. If yeh keep that in yer mind allus, I guess yeh´ll come out about right.

`Yeh must allus remember yer father, too, child, an´remember he never drunk a drop of licker in his life, and seldom swore a cross oath.

`I don´t know what else to tell yeh, Henry, excepting that yeh must never do no shirking, child, on my account. If so be a time come when yeh have to be kilt or do a mean thing, why, Henry, don´t think of anything ´cept what´s right, because there´s many a woman has to bear up `ginst sech things these times, and the Lord´ll take keer of us all.

`Don`t forgit about the socks and the shirt, child; and I´ve put a cup of blackberry jam with yer bundle, because I know yer like it above all things. Good-by, Henry. Watch out, and be a good boy.`

He had, of course, been impatient under the ordeal of this speech. It had not been quite what he expected, and he had borne it with an air of irritation. He departed feeling vague relief.

Still, when he had looked back from the gate, he had seen his mother kneeling among the potato parings. Her brown face, upraised, was stained with tears, and her spare form was quivering. He bowed his head and went on, feeling suddenly ashamed of his purposes.  (Stephen Crane, The Red Badge of Courage)

 

If one would give control over above equation to all mothers of the world the factor “will” would be Zero. “I have a dream”.