Die Kraft der Zeitlosigkeit

 

Sportinteressierte kennen das typische mit den Händen geformte „T“ Zeichen, das in gewissen Sportarten wie zum Beispiel beim Basketball vom Trainer einer Mannschaft  in Richtung Schiedsrichter gezeigt wird. Spiel und Spielzeit werden angehalten.  Die Spieler einer Mannschaft gehen für einen Moment in die Zeitlosigkeit, weil sie nicht weiter wissen und Rat brauchen oder um zu verschnaufen, weil das Tempo zu hoch war.  In diesem Raum der Zeitlosigkeit passiert nichts, sind sie sicher. Wenn der Schiedsrichter dann das Spiel erneut anpfeift und die Spieluhr weiterlaufen läßt, nimmt die Mannschaft erfrischt, neu eingestellt und moralisch aufgerüstet den Kampf wieder auf.

In gewisser Weise kann man die täglichen Prozesse in der Arbeitswelt mit einem Basketballspiel vergleichen. Man arbeitet im Team, dessen Ziel es ist zu gewinnen.  Das Tempo ist oft sehr hoch, und manchmal weiß man nicht mehr weiter. Die Zeit für einen Moment anzuhalten wäre jetzt wichtig. Auf diese Idee kommt keiner. Warum eigentlich nicht?  Im Basketball führt der Trainer die Mannschaft. Er weiß am besten, wann seine Mannschaft einen Time out braucht. In einer Firma sollten der Chef, der Abteilungsleiter oder der Vorstand wissen, wann ihre Mannschaft einen Time out braucht. Aber es ruft keiner „Time out“. Oft wird das Tempo sogar noch erhöht, wenn man nicht mehr weiterweiß. Irgendwann zeigen Führung und Mannschaft Ausfallerscheinungen. Sie werden müde, erst geistig, dann auch psychisch und physisch. Einige brechen zusammen und erholen sich nie wieder. Als Ursachen werden innere Kündigung, Burnout und Herzinfarkt genannt. So will man das Problem individualisieren. Aber es sind immer wir, die gewinnen oder verlieren. Im Sport ist das einen Binsenweisheit. Sie gilt genauso für die Arbeitswelt. Verantwortung für Leistungs-Fähigkeit und –Willigkeit liegt bei der Führung. Time outs sind dabei ein wesentliches Führungsmittel.

Entscheidend für die Effektivität ist die Umsetzung. „Time out“ kann nur der an der richtigen Stelle rufen, der ein Gespür für die Situation hat und der seine Leute und deren Probleme, Stärken und Schwächen kennt. Das erfordert, dass Führung im Arbeitsalltag zugänglich und present ist. Dazu gehören offene Türen und das informelle Gespräch genauso wie spontane oder formalisierte Kaffee und Kuchen Schwätzchen. Wenn man Ermüdungs- und Verschleißerscheinungen feststellt, nimmt man das Tempo heraus, gewährt zusätzliche Unterstützung und gibt die Möglichkeit zur Erholung. In welcher Form das geschieht, hängt von der Situation und den betroffenen Menschen ab. Der Empathie und Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Manchmal ist ein Time out auch nötig, wenn man bei der Lösung von Problemen nicht mehr weiterweiß. Dann gilt der kluge Satz: “Wenn man ein Problem lösen will, muss man sich vom Problem lösen!“ Das Problem liegt nämlich oft nicht in der Sache, sondern in der Art und Weise des Denkens. Holen Sie sich einen externen Moderator. Damit ist nicht gemeint, millionenschwere Firmen wie Roland Berger oder McKinsey zu beauftragen, für Sie Ihre Probleme lösen. Es geht viel mehr darum, dass jemand Sie animiert, mit Ihren Denkmustern zu brechen. Die Lösungen für Ihre Probleme schlummern in Ihnen und Ihren Menschen!

Time out! – In einem kurzen Moment der Zeitlosigkeit liegt eine Kraft, die Energien zurückbringt und mit der Sie ein scheinbar verlorenes Spiel umdrehen können.