Aus Kindern, die nicht geliebt werden, werden Erwachsene, die nicht lieben. – Pearl S. Buck, US-amerikanische Schriftstellerin, 26. Juni 1892 – 6. März 1973

 

Die Welt ist eine Konstruktion des Bewusstseins. Auch wenn diese erst einmal philosophische Erkenntnis in den Geistes – und Naturwissenschaften schon seit langem nicht mehr in Frage gestellt wird, ist sie den meisten Menschen unbekannt bzw. nur sehr schwer zugänglich. Die Corona-Politik dieser Bundesregierung lässt den Schluss zu, dass diese Erkenntnis auch bei den Entscheidern, ihren Beratern und ihren medialen Verfechtern noch nicht angekommen ist. Dass sie leichtfertig ein ganzes Jahr lang ein Volk wegsperren und soziale Kommunikation in die Cyberwelt verbannen, ist unvorstellbar. Man kann es nur über Verschwörungstheorien oder Mangel an Bildung erklären. Sie argumentieren mit ihren Statistiken und Annahmen. Die haben so viel Angst erzeugt, dass die Mehrheit der Menschen sich in ihr Schicksal ergeben hat. Aber zu welchem Preis? –

Mit dieser Frage meine ich nicht nur die wirtschaftliche Not, in die viele durch die Lockdowns geraten sind. Die ist schlimm genug. Diese Politik hat aber nicht nur Auswirkung auf die materielle Existenz von Menschen, sondern auf die Welt, die sie in der Folge konstruieren. Ein Erwachsener, der gelernt hat, Verantwortung zu tragen, wird im Normalfall für sich und seine Familie sorgen. Auch der Staat wird seinen Beitrag dazu leisten, wie unausgegoren er auch daherkommen mag. Die Gesellschaft wird sich verändern, keine Frage. Die Menschen werden mit dieser Veränderung umgehen, wie auch immer. Jede Krise birgt die Chance zu etwas Besserem. Die Katastrophe, die sich anbahnt, betrifft unsere Kinder.

Ihr Bewusstsein ist einer Atmosphäre von Frustration und Angst ausgesetzt. Soziale Isolation (home-schooling, mangelnde Nähe zu ihren geliebten Menschen) und Maskenzwang mit der Predigt „damit Oma und Opa nicht sterben müssen“ erzeugen Schuldgefühle, die diametral zu ihrem Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit stehen. – Das ist Gewalt! – Sie wehren sich auf ihre Art. Die Schule ist das Schlachtfeld ihres Abwehrkampfes. Sie verweigern die geforderte Disziplin. Je nach Elternhaus und dem Grad ihrer Anpassung leisten einige immer noch, vor allem in den älteren Klassen. Immer mehr verweigern jedoch, durch Abwesenheit beim Online-Unterricht, durch Ignorierung von gesetzten Abgabe-Terminen bei Hausaufgaben oder, bei jüngeren Klassen, durch unbewusstes Ignorieren der Maskenpflicht. Lehrer, die diesem Verhalten ausgesetzt sind, reagieren unter dem Einfluss ihres eigenen Bewusstseinszustands. Einige maßregeln und drohen mit der schlechten Note. Sie bestätigen die Ohnmacht vieler Schüler. Wer die Macht hat, hat recht. Andere Lehrer bemühen sich, Empathie zu zeigen. Die findet ihre Grenze in der Maskenpflicht. Ob im Klassenraum oder auf dem Monitor, jede Kommunikation lebt durch die Mimik, die sie begleitet. Ermahnung oder Kritik kann erst dann Wirkung erzielen, wenn sie mit einem zwar fordernden, aber doch liebevollen Gesichtsausdruck begleitet ist. Die gleiche Ohnmacht gilt für den Lehrer, wenn dieser ein störendes Kind lesen und abholen will. Die Maske verhindert jede menschliche Interaktion, ohne die Lernen unmöglich ist. Wie sollen Kinder Empathie, emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz lernen, wenn das ganze Sein des Lehrers auf Funktionieren ausgerichtet ist? In einer solchen Welt wird Lernen zur Dressur. –

Meine Lebenserfahrung – nicht zuletzt als vierfacher Vater und Lehrer von Kindern in dieser verrückten Zeit- lässt nur einen Schluss zu. Bei allen Maßnahmen, die Schwachen in dieser Pandemie zu schützen, die Welt im Bewusstsein unserer Kinder darf dabei nicht geopfert werden. – Aus Kindern, die nicht geliebt werden, werden Erwachsene, die nicht lieben, schrieb die amerikanische Schriftstellerin Pearl S. Buck. Für mich ist dieser Satz nicht nur eine traurige Feststellung. Er sollte Handlungsmaxime eines jeden sein, der Kinder beim Heranwachsen begleitet. Vor allem sollte er in dieser Zeit über allem politischen Handeln stehen, das für sich beansprucht, dem Wohl des Volkes zu dienen. Diese Kinder sollen uns als Erwachsene in der Politik, in der Wirtschaft und in der Ausbildung einmal führen. Die Welt, die sie jetzt in ihrem Bewusstsein konstruieren, wird sie leiten. Für diese Welt tragen wir die Verantwortung. Daran wollte ich erinnern.

 

 

 

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