Die Corona-Strategie

Gute Absichten sind kein Ersatz für Führung

 

 

Aus den Kriegen der Vergangenheit wissen wir, dass Niederlagen gern mit einem übermächtigen Gegner erklärt wurden. Damit versuchte die Führung die eigentliche Ursache für die Katastrophe zu kaschieren. Eine untaugliche bzw. keine Strategie. Genau das kennzeichnet meines Erachtens die heutige Korona Krise. Wenn wir diese Ursache nicht endlich anschauen, ist zu befürchten, dass wir diesen Kampf verlieren. Der folgende Artikel soll dazu beitragen, Ihren Blick zu fokussieren.

Strategie galt früher als Kunst der Generäle (strategos; griech. = der Feldherr). Heute bestimmt sie Schicksal und Leben jedes Einzelnen unmittelbar, wie jetzt in der Corona-Krise. Sie mögen jetzt vielleicht einwerfen, dass das Entwickeln einer Strategie Sache der Experten in den Ministerien sei. Ich halte dagegen, dass die Konsequenzen einer schlechten Strategie eben nicht unserer Sicherheit dienen, sondern diese nachhaltig bedrohen. Sie bedrohen nicht nur die Wirtschaftskraft unseres Landes, sondern vor allem die materielle und soziale Existenz unzähliger Menschen. Ich meine, dass wir als mündige Bürger uns nicht ausschließlich in die Hände von Experten begeben sollten, sondern deren Denken und Planen immer wieder kritisch hinterfragen müssen. Erinnern wir uns: – Wir sind das Volk! – Der Schlüssel zum treffsicheren Fragen liegt in der Kenntnis um die jeweilige Strategie. Das Wissen um die universelle Struktur jeder Strategie hilft beim konkreten Hinschauen. Im Folgenden möchte ich Ihnen erklären, woran man eine gute Strategie erkennt, um dann am Beispiel der Corona-Politik die Mängel in der Strategie der Bundesregierung deutlich zu machen.

Der Begriff „Strategie“ begegnet uns in den Medien fast täglich . Es gibt Militärstrategien, Sicherheitsstrategien, Unternehmensstrategien und noch ein paar mehr. Wenn Sie einen Generalstabsoffizier oder einen Abteilungsleiter des Verfassungsschutzes oder einen Manager der Wirtschaft fragen, was Strategie ist, werden Sie unterschiedliche Antworten bekommen. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia bestätigt, dass es keine einheitliche Definition gibt.  Trotzdem tauchen in allen Definitionen bestimmte gleiche Kriterien auf, die den Schluss zulassen, dass das Wesen von Strategie universell ist. Eine allgemeine Definition von Strategie könnte wie folgt lauten: Strategie ist die Art und Weise, wie ich mit Hilfe von Planung meine Mittel einsetze, um gesteckte Ziele zu erreichen (Abb)

 

Strategie

Strategie-Modell

 

Mit dieser Definition kann man gezielt fragen. Was sind die Ziele? Welche Mittel stehen zur Verfügung? Was ist der Plan? – Untersucht man auf diese Weise die Strategie der Regierung in der Corona-Krise muss man zu dem Schluss kommen, dass es von Beginn an bis heute keine konkrete Zielformulierung gegeben hat bzw. gibt. Schutz der Krankenhäuser vor Überlastung oder Schutz von Risikogruppen sind keine strategischen Ziele, sondern sogenannte Objectives, die eine Planung ausmachen und deren Erfüllung dem strategischen Ziel dienen. Sie geben wieder, welche Teilleistung unter welchen Bedingungen und in welcher Qualität zu erbringen sind. Ein Objective in der Corona-Krisenplanung wäre zum Beispiel: Reduzierung der Infizierungsrate (Leistung) durch bestimmte Hygienemaßnahmen (Bedingungen) auf unter 50 pro 100 000 Einwohner (Qualität). Die Formulierung eines strategischen Zieles im Fall der Corona-Pandemie ist eine harte Nuss. Es gibt nämlich keine historischen Erfahrungen mit Happy End. Ich möchte einen Vorschlag machen. Ziel der Corona-Strategie soll sein: Die Integrierung des Corona-Virus in das tägliche Krankheitsgeschehen der Bevölkerung. 

 Eine solche Zielformulierung erfüllt zwei wichtige Kriterien einer Strategie. Erstens. Durch die Benennung eines Prozesses – hier Integrierung – lassen sich in der Planung klare Objectives nach Wichtigkeit und Dringlichkeit formulieren. Und Zweitens. Zielerreichung ist über einen klar zu definierenden End State möglich. Wenn Planung solche Vorgaben nicht bekommt, dann steht ihr Fundament im Treibsand der Beliebigkeit. Das Maßnahmen-Chaos in den Bundesländern, was wir gerade erleben, ist die Folge. Kritiker formieren sich. Gerichte werden angerufen. Immer mehr Menschen hinterfragen Maßnahmen. Eine Beliebigkeit bei der Einhaltung macht sich breit. In der Folge hat diese Regierung das gerade in unserem Volk tot geglaubte Denunziantentum absichtsvoll wiedererweckt und vergiftet damit jede Mitmenschlichkeit, die in einer solchen Krise von existenzieller Bedeutung ist. Ein solches Verhalten weist für mich auf den zweiten großen Mangel in der momentanen Corona-Strategie. Sie verstößt gegen unsere Ethik.

Drohungen, Strafen und Denunziantentum als legitime Mittel, um Bürger im Sinne ihrer Strategie gefügig zu machen, empfinde ich als Bankrotterklärung der Demokratie, genauso übrigens, wie das diktatorische Regieren mit Notverordnungen und das Außerkraftsetzen von Grundrechten. Für mich ist das nicht so sehr eine juristische Frage, sondern eine Frage der Ethik. Andere Mittel, die zur Zielerreichung eingeplant werden müssen, sollen an dieser Stelle nicht diskutiert werden, obwohl auch zu ihrem Einsatz Kritisches zu sagen wäre.  Dazu gehören u.a. Finanzen, Logistik, Infrastruktur, Expertentum und nicht zuletzt die Kommunikation.

Sie werden aus meiner Themenwahl unschwer meine Sozialisation als Berufsoffizier erkennen. Die Corona-Krise ist kein Krieg. In ihrem Wesen hat sie dennoch viele Aspekte, die dem eines Krieges ähnlich sind. Eine schwer einzuschätzende Bedrohung, Komplexität und Unwissenheit sind eine große Belastung für die Verantwortlichen und ihre Planer. Die Kriegsgeschichte hat immer wieder gezeigt, dass eine gute Strategie und eine unerschütterliche Wertebasis die besten Voraussetzungen sind, um in einer solchen existenziellen Krise zu bestehen. Nach meiner Überzeugung gilt das gleichermaßen für die Corona-Krise. Dafür zu sensibilisieren war meine Absicht.

 

 

 

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